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Mittlere Klettertouren (III-IV) Gendarm am Wilde Leck Ostgrat

Titelbild: Gendarm am Wilde Leck Ostgrat   Artikel verfasst von:

Wilde Leck Ostgrat (IV, 2 Tage, 1800hm)

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Die Wilde Leck (3361m) steht als erhabene Felsbastion zwischen einer Vielzahl von Gletschern in den Stubaier Alpen. Den Wenigsten ist die Wilde Leck ein Begriff, doch unter Freunden alpiner Kletterei ist die Route über den Ostgrat spätestens seit dem Erscheinen von Walter Pauses „Im schweren Fels“ ein Begriff. Über eine vollkommen bohrhakenfreie Route in bestem Granit gelangt man zum Gipfel und wird vom Abwechslungsreichtum der Route ein Grinsen ins Gesicht gezaubert bekommen! Der herb alpine Abstieg verlangt Erfahrung und Nerven, denn auch hier finden sich keine Abseilhaken, sondern marodierende Schlingen und viel loses Geröll.

Zusammenfassung Wilde Leck

  • Art: Klettertour
  • Höhenmeter: 1150hm im Auf- und Abstieg (von der Amberger Hütte)
  • Gehzeit: Aufstieg ca. 5:45h, Abstieg ca. 3:30h (zusätzlich Aufstieg/Abstieg vom/ins Tal ca. 2:00h/1:30h zu Fuß bzw. ca. 1:15h/0:30h mit dem Bike)
  • Kondition: hohe Anforderungen; nur ausdauernden Sportlern zu empfehlen
  • Technik: Meist wegloses Gelände im Fels ohne Markierungen. Deutliche Absturzgefahr in heiklem, exponiertem Gelände. Sehr guter Orientierungssinn, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Zudem ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechnischen Hilfsmitteln.
  • Ausrüstung: Kletterausrüstung + 2x60m Seile, (lange) Bandschlingen, Friends (empfohlen je zwei 0,75, 1 und 2), Stirnlampe, Biwaksack, Notfalltelefon
  • Rundtour: nein

Anfahrt Wilde Leck

  • Adresse fürs Navi: Gries 60, 6444 Gries, Österreich
  • Routenplaner: Anfahrt Wilde Leck
  • Im Detail: Von München über Innsbruck Richtung Landeck/CH – Abzweig ins Ötztal. In Längenfeld nach Gries links abzweigen. Am Ortsende von Gries großer kostenfreier Wanderparkplatz.

Wegpunkte

Gries (1569m) – Sulztalam – Amberger Hütte (2136m) – Wilde Leck (3361m) – retour auf gleichem Weg

Aufstieg Wilde Leck

Zur Amberger Hütte gelangt man vom Wanderparkplatz in Gries am besten mit dem MTB über eine breite Forststraße (zu Fuß: ca. 2:00h; mit dem Bike: ca. 1:10h). Übernachtung und Aufbruch gegen 5:00h wird empfohlen, da ohne Pausen und Zwischenfälle über 9 Stunden ab/bis Amberger Hütte eingeplant werden sollten!

Von der Amberger Hütte wandert man in den flachen Talboden hinein bis zu einer Weggabelung am Beginn der ersten Talstufe. Man folgt der Beschilderung zur Hochstubaihütte und ersteigt steil ansteigend die Talstufe. Am oberen Ende findet man flaches Wiesengelände mit einigen Wasserläufen, das von einem spärlich bewachsenen Moränenrücken abgelöst wird, der zur Gletscherzunge führt. Ab hier empfiehlt sich der Aufstieg mit Steigeisen auf dem rechten Rand des Sulztalferners bis man zum Wilde Leck Ferner über Blockgelände aufsteigen kann. Der zerrissene Gletscher wird nicht betreten, sondern am rechten (nördlichen) Rand umgangen. Man steigt solange unterhalb des Ostgrates der Wilden Leck auf, bis man einen Smiley auf einer höhergelegeneren Felsplatte erkennt. Von hier muss in weglosem Gelände ohne Markierungen steil zu einer flachen Einschartung am Ostgrat aufgestiegen werden. (Amberger Hütte – Einstieg: 3:00h)

Routenbeschreibung Wilde Leck Ostgrat

Auf dem breiten Blockgrat geht es in einfacher Kletterei bis zu einem auffallenden Gendarm, der an seiner rechten Seite einfach umgangen werden kann. Der Gendarm kann auch erklettert werden und bietet ein tolles Fotomotiv (IV, abklettern wie Aufstieg oder abseilen möglich). Von der Einsattelung hinter dem Gendarm klettert man über die folgende Plattenwand erneut zur luftigen Gratschneide, der man vorbei an einigen Zacken zur Schlüsselstelle der Tour folgt.

Die Schlüsselstelle besteht aus einer Platte mit einem Piazriss am rechten Rand, die man aber mit etwas Ziehen und Stemmen schnell hinter sich lässt. Es folgen einige luftige Gratabschnitte bevor man kurz unterhalb des Gipfelkreuzes zu einem letzten, durchaus knackigen Steilaufschwung gelangt. Hier führt der Weg zunächst über eine Platte in einen Kamin, der am linken Rand erklettert wird und schließlich nach links in eine Verschneidung führt. Durch diese gelangt man zum Gipfel der Wilden Leck (3361m) (Einstieg – Gipfel: 2:45h). Vom Gipfel herrlicher Rundblick zu den benachbarten Gipfel wie Windacher Daunkogel, Zuckerhütl und Schrankkogel.

Abstieg Wilde Leck

Der Abstieg erfolgt auf dem Südwestgrat entlang von hellroten Markierungen bis den ersten Sattel. Noch vor dem erneuten Ansteigen des Grates zu den Wütenkarspitzen kann 2 x 60m über eine Rippe auf den Wilde Leck Ferner abgeseilt werden (Gipfel – Wilde Leck Ferner: ca. 1:45h; auf Steinschlag achten, Bergschrund unter Umständen heikel: vor Aufstieg begutachten!).

Ab dem Erreichen des Gletschers geht es auf dem Aufstiegsweg zurück zur Hütte (Wilde Leck Ferner – Amberger Hütte: 1:45h). Mit dem MTB erreicht man in weiteren 30 Minuten den Parkplatz in Gries.

Achtung! Der alte Abstiegsweg (rot/weiße Markierungen) sowie die alte Abseilpiste durch die Südwand sind durch einen massiven Bergsturz zerstört worden und nach wie vor stark von Steinschlag bedroht. Diese Routen sollten nicht mehr genützt werden! (Stand: August 2015)

Passende Wanderkarte

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Hinweise

  • Einkehrmöglichkeit: Amberger Hütte, Tel.: 0043 6769 523 426 , info (at) seldon (dot) at
  • Topo Wilde Leck bei bergsteigen.com (nur im Aufstieg aktuell!)
  • Infos über die Verhältnisse bei der Ambergerhütte erfragen bzw. Webcams der Stubaier Gletscherbahn.
  • Die Route weist keinerlei Haken auf! Es muss selbst mit (langen) Schlingen und Friends (empfohlen je zwei 0,75, 1 und 2) gesichert werden. Für den Abstieg wird die Mitnahme von „Opferschlingen“ empfohlen, falls das vorhandene Material Zweifel aufkommen lässt.
  • Tipp: Die Bergführer vom Alpinsport-Center, bringen Euch sicher auf den Gipfel und wieder hinunter!

Bilder Wilde Leck

Karte & Höhenprofil

- Download GPS-Track > erzeugt mit www.gpsies.com
- Tipp: Tourenbericht und GPS-Track offline nutzen >

Bewertung der Tour

Wilde Leck Ostgrat (IV, 2 Tage, 1800hm) Benedikt
Zustieg
Kletterfreude
Absicherung
Natur
Verkehr & Trubel

Zusammenfassung: Geniale Kletterei, die allerdings mit einem mega langen Zustieg verdient werden will. Die Absicherung muss mobil erfolgen, allerdings bieten sich sehr gute Möglichkeiten. Der Abstieg ist verhältnismäßig gefährlich und verlangt alpine Erfahrung! Im Zweifelsfall sollte ein Bergführer engagiert werden!

4.1


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