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Schwere Hochtouren Biancograt

Titelbild: Biancograt   Artikel verfasst von:

Piz Bernina – Biancograt (III, 1500hm, 9:30h)

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Der Piz Bernina (4049m) ist jedem ambitionierten Bergsteiger ein Begriff – ist er doch der einzige 4000er in den Ostalpen. Der hier beschriebene Anstieg über den Biancograt gehört zudem zu den großen Klassikern im gesamten Alpenraum. Die herrlich geschwungene Linie des Firngrates leitet den Besteiger auf den Piz Bianco (3995m) und von dort in herausfordernder Kletterei auf den Piz Bernina! Der Abstieg über den ausgesetzten Spallagrat (Normalweg) zur Marco-e-Rosa Hütte scheint nach den bisherigen Schwierigkeiten dann schon wie ein Kinderspiel!

Zusammenfassung Piz Bernina

  • Art: Hochtour (AD, ziemlich schwierig)
  • Höhenmeter: 1500hm im Auf- und Abstieg
  • Gehzeit: Aufstieg ca. 8:00h, Abstieg ca. 1:30h zur Marco-e-Rosa Hütte
  • Kondition: hohe Anforderungen; nur ausdauernden Sportlern zu empfehlen
  • Technik: Meist wegloses Gelände in Fels und Eis, selten markiert. Deutliche Absturzgefahr in heiklem, exponiertem Gelände. Kletterstellen bis IV (UIAA). Sehr guter Orientierungssinn, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Zudem ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechnischen Hilfsmitteln. Bergführer empfehlenswert.
  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung + weitere Schlingen, Klemmkeile, 1 zusätzliche Eisschraube, 5 Expressen
  • Rundtour: ja

Anfahrt Piz Bernina

  • Adresse fürs Navi: Cuntschet, 7504 Pontresina, Schweiz
  • Routenplaner: Anfahrt Piz Bernina
  • Im Detail: Von München über Garmisch und Fernpaß nach Imst. Dort kurz auf die A12 Richtung Bregenz/Arlberg und beim Knoten Oberinntal wieder abfahren. Nun immer weiter der Beschilderung nach St. Moritz folgen. Kurz vor St. Moritz zweigt eine Straße nach Pontresina ab. In Pontresina in der Umgebung des Bahnhofs parken.

Wegpunkte

Tschiervahütte (2583m) – Fuorcla Prievlusa (3430m, 2:30h) – Piz Bianco (3995m, rhätoromanisch: Piz Alv) – Piz Bernina (4049m, 8h) – La Spedla (4020m, 8:30h) – Marco-e-Rosa Hütte (3609m, 9:30h)

Aufstieg Piz Bernina

Hüttenzustieg:

Vom Parkplatz in Pontresina folgt man der Beschilderung ins „Val Roseg“ und zur „Tschiervahütte bis zum Hotel Roseg (ca. 1:30h, oder kürzer mit Pferdekutsche). Vom Hotel Roseg auf der östlichen Talseite zur Alpe Misaun und nun auf dem Kamm der Moräne zur Tschiervahütte (2583m; ca. 2:00h vom Hotel Roseg).

Alternativer Zustieg zur Tschiervahütte über Piz Morteratsch.

Route ab Hütte:

Die Nacht auf der Tschiervahütte endet bereits im kurz nach drei Uhr morgens! Nach einem kurzen Frühstück geht es um 4 Uhr los.

Von der Hütte führt ein zunächst noch guter Steig aufwärts nach Nord-Osten (beschildert). Später steigt man auf schwach erkenntlichen Steigspuren durch Moränenschutt, allerdings ist der Weg auch in der Dunkelheit gut auffindbar dank vieler Katzenaugen, die im Schein der Stirnlampen die Richtung vorgeben. Nach der Flankenquerung des Piz Prievlus betritt man kurz den Gletscher, bevor man wieder über Felsen in Richtung der Scharte (Fuorcla Prievlusa) klettert. Vor dem letzten Aufschwung zur Scharte muss ein Bergschrund überwunden werden. Dann muss man sich entscheiden, ob am linken Rand über Fels mit Sicherungen oder am rechten Rand im steilen Firn (Steinschlaggefahr, aber schneller) die Scharte erreicht wird (ca. 2:30h von der Hütte).

Der nun zu überwindende Felsaufschwung bietet Kletterschwierigkeiten im III. Grad mit Standhaken und einigen Zwischenhaken und sollte in seiner Länge nicht unterschätzt werden. Zudem sollte dieser Teil sollte als Entscheidungshilfe für Umkehren oder Weitersteigen betrachtet werden – wer hier Schwierigkeiten hat, wird sie später im Gipfelbereich in größerer Höhe und größerer Exponiertheit nochmals antreffen!

Hat man den felsigen Riegel hinter sich gelassen, wartet die weiße Ideallinie des Biancograts darauf, den Besteiger auf den Piz Bianco zu führen. Bei gutem Trittfirn steigt man ausgesetzt aber ohne Schwierigkeiten den Biancograt hinauf, bei Vereisung u.U. heikel und schlecht abzusichern.

Am Gipfel des Piz Bianco (3995m) angekommen kann man weiche Knie bekommen, denn der Weiterweg über den Grat und den Gipfelaufschwung sehen alles andere als einladend aus (besonders bei frischer Schneeauflage). In teils größter Ausgesetztheit wird der Grat entlang seiner Schneide gequert, bis man an eine kurze Abseilstelle gelangt. Ein weiterer Turm wird überklettert und wieder abgeseilt. Nun steht man in der Scharte vor dem Gipfelaufbau, der nun je nach Verhältnissen entlang der Gratkante oder in einer rechts liegenden Rinne verhältnismäßig einfach erstiegen wird. Am oberen Ende angelangt unschwierig aber ausgesetzt zum Gipfel des Piz Bernina (4049m).

Abstieg Piz Bernina

Vom Gipfel Richtung Süden leicht absteigen im Blockgelände, dann über den Spallagrat in gutem Trittfirn zum Gipfel La Spedla (4020m) und von dort zum Felsteil des Normalwegs absteigen. Hier kann zweimal bequem abgeseilt werden, bis man wieder auf den Gletscher gelangt. Von dort in nahezu gerader Linie nach Süden zur Marco-e-Rosa Hütte, die für ihren Hüttenwirt und ihre Dekoration berühmt/berüchtigt ist. Hier wird üblicherweise übernachtet, wer allerdings noch ausreichend Kraftreserven und Tageslicht zur Verfügung hat, kann entweder über den Fortezzagrat ins Tal absteigen oder noch die Piz Palü-Überschreitung dranhängen, die einen zum Berghaus Diavolezza führt :-)

Route über Fortezzagrat nach Morteratsch:

Von der Hütte quert man leicht ansteigend Richtung Osten den von Spalten zerfurchten Gletscher und steigt über die Bellavista-Terrasse bis vor den Aufschwung zum Piz Palü Ostgipfel. Dort wendet man sich nach Norden und folgt dem zunächst breiten Rücken des Fortezzagrates. Im Felsteil wird zweimal abgeseilt. Über die Westseite der Isla Persa (Steinmänner) zum Gletscher, der an geeigneter Stelle überquert wird. Nun entlang der Moränenkrone zur Bovalhütte (ca. 4:00h ab Marco-e-Rosa Hütte) und weiter zur Bahnstation Morteratsch (ca. 1:30h ab Bovalhütte). Von hier eine Station mit der Rhätischen Bahn zurück nach Pontresina.

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Hinweise

  • Einkehrmöglichkeit: Tschiervahütte, Tel.: +41 (0) 81 842 63 91, Email: tschierva-sac @ bluewin.ch
  • Einkehrmöglichkeit 2: Marco-e-Rosa Hütte, Tel.: +39 0342 515370 (nur italienisch!), Email: biancoextrem @ libero.it
  • keine Einkehrmöglichkeit auf der Tour, Brotzeit einpacken :-)
  • Link: Verhältnisse am Biancograt
  • Aufgrund der anhaltend hohen Schwierigkeiten in extrem exponiertem Gelände sollte ein Bergführer engagiert werden!
  • Bei Schneeauflage oder Vereisung können die Kletterpassagen heikel und die Haken unter dem Schnee verschwunden sein, was mobile Sicherung notwendig macht. Schwierigkeit und Ernsthaftigkeit steigen bei schlechten Verhältnissen locker um einen Grad nach oben!
  • Die genannten Gehzeiten können bei schlechten Verhältnissen deutlich länger sein!

Bilder Piz Bernina

Karte & Höhenprofil

- Download GPS-Track > erzeugt mit www.gpsies.com
- Tipp: Tourenbericht und GPS-Track offline nutzen >

Bewertung der Tour

Piz Bernina – Biancograt (III, 1500hm, 9:30h) Benedikt
Aussicht
Aufstieg
Abstieg
Natur
Verkehr & Trubel

Zusammenfassung: Absolut geniale Hochtour, die über einen der schönsten Firngrate der Alpen auf den einzigen 4000er der Ostalpen führt! Die atemberaubende Kulisse des Festsaals der Alpen ist das Tüpfelchen auf dem i!

4.8


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